Autoindustrie: Auftragsbestand auf niedrigstem Stand seit Ende der 80er Jahre
Der Auftragsbestand der deutschen Autohersteller ist nach Aussage von VDA-Präsident Matthias Wissmann auf den niedrigsten Stand der letzten 20 Jahre gesunken. Auch wenn die Absatzzahlen im Dezember weniger stark eingebrochen sind als befürchtet, könne von "einer Entspannung keine Rede sein", so Wissmann im Gespräch mit auto motor und sport. "Das Dezember-Ergebnis bei den Neuzulassungen wird dadurch verzerrt, dass es in diesem Monat zwei Arbeitstage mehr gab als im Vorjahreszeitraum. Die Inlandsbestellungen der deutschen Hersteller lagen um 21 Prozent unter dem Vorjahresniveau und waren damit im vierten Quartal um 20 Prozent im Minus. Deshalb macht uns auch der Auftragsbestand große Sorgen", so Wissmann. "Er liegt um 11 Prozent unter dem Vorjahreswert und damit auf dem niedrigsten Niveau seit Ende der 80er Jahre."
Um die Lieferkette aufrecht zu erhalten, seien die Autohersteller inzwischen dazu übergangen, die Liquidität der Zulieferer durch Millionenzahlungen zu stützen. "Dutzende von kleinen und mittleren Zuliefererbetrieben, die eigentlich gesund und zukunftsfähig sind, stehen vor Liquiditätsproblemen aufgrund der unzureichenden Kreditvergabe", kritisiert Wissmann die zurückhaltende Rolle der Banken. "Es kann nicht sein, dass die Banken bei Sonnenwetter einen Schirm ausgeben und ihn beim ersten Regen wieder einziehen. Und zurzeit regnet es nicht nur, es hagelt. So mancher Hersteller unterstützt derzeit seine Zulieferer, um die Wertschöpfungskette aufrecht zu erhalten - und das mit zum Teil nennenswerten Beiträgen." Einzelne Unternehmen würden Zulieferer "mit Beträgen in Millionenhöhe" stützen.
Stammbelegschaften der Hersteller nur bis Sommer sicher
Sollte sich die Absatzkrise fortsetzen, sieht Wissmann die Gefahr, dass die Hersteller in der zweiten Jahreshälfte gezwungen sein könnten, auch Entlassungen in der Stammbelegschaft auszusprechen. "Die Unternehmen haben ein elementares Interesse daran, ihre hoch qualifizierten Mitarbeiter weiter zu beschäftigen, um nach der Krise die Innovationsposition weiter auszubauen. Wir werden alles tun, um die Stammbelegschaften zu halten", so der VDA-Präsident. "Klar ist aber auch, wenn wir nach dem ersten halben Jahr 2009 kein Licht am Ende des Tunnels sehen, wird es schwierig, diese Strategie aufrecht zu erhalten."
Wissmann: Verschrottungsprämie reicht nicht
VDA-Präsident fordert CO2-basierte Kfz-Steuer schon zum 1. Juli 2009
Stuttgart. Die von der Bundesregierung vorgeschlagene Verschrottungsprämie für Altautos hat VDA-Präsident Matthias Wissmann als "ergänzendes Element" begrüßt, hält die Prämie aber nicht für ausreichend, um die Autokonjunktur anzukurbeln. Im Interview mit auto motor und sport verlangt Wissmann die kurzfristige Einführung der CO2-basierten Kfz-Steuer. "Eine Umweltprämie kann aus meiner Sicht ein ergänzendes Instrument sein. Für uns ist der Kern der Überlegungen eindeutig die Neuordnung der Kfz-Steuer. Wir brauchen langfristige Planungssicherheit und Anreize zum Kauf neuer, umweltfreundlicher Fahrzeuge, und das kann nur die CO2-basierte Kfz-Steuer gewährleisten, die bald kommen muss. Am besten noch zum 1. Juli 2009."
Das Auto sei ein so langlebiges Produkt, dass die bis Sommer 2009 befristete Steuerbefreiung nicht ausreiche. Diese habe zwar einen noch stärkeren Einbruch der Autokäufe im Dezember verhindert. "Doch die Autokäufer fragen immer auch, was geschieht nach dem Juni 2009. Das Auto ist ein langlebiges Konsumgut, die Leute wollen doch auch wissen, was sie nach 2010 bezahlen müssen. Die Einführung der CO2-basierten Kfz-Steuer kann nicht durch kurzfristige Maßnahmen ersetzt werden."
Auch den Ansatz der Bundesregierung für die Verschrottungsprämie will Wissmann modifizieren. "Ich bin der Meinung, man muss eine solche Umweltprämie nicht unbedingt an die Verschrottung knüpfen. Eine Umweltprämie bei der Neuzulassung würde aus meiner Sicht am unbürokratischsten zu realisieren sein", so Wissmann. "Die Gebrauchtwagen sollten mindestens zehn Jahre alt sein, und die Prämie sollte für alle Neuwagen ab Euro 4 gelten."
Skoda will Kapazität in China verdoppeln
Markenchef Jung will über Arbeitsplatzabbau erst im 2. Quartal
entscheiden - Kein Rückzug aus dem Rallyesport
Prag/Wolfsburg. Trotz der starken Absatzeinbußen vor allem in Westeuropa will die VW-Einstiegsmarke Skoda ihre Produktionskapazitäten außerhalb Europas nicht einschränken und plant nach Aussage von Skoda-Markenchef Reinhard Jung sogar einen schnellen Ausbau noch 2009. "Unsere chinesische Kapazität von derzeit 50.000 bis 60.000 Einheiten wollen wir 2009 verdoppeln", kündigte Jung im Gespräch mit auto motor und sport an. "Russland und Indien gehen ans Netz." Dieser Ausbau der Kapazität sei auch unabhängig vom angelaufenen Sparprogramm. Denn Jung hofft noch 2009 auf wieder anziehende Absatzzahlen. "Wir hoffen auf eine Trendwende zum Halbjahr 2009, dann werden wir sehen, ob wir den Boden schon erreicht haben", sagte Jung dem Magazin.
Aussagen zu einem möglichen Abbau von Arbeitplätzen wollte Jung noch nicht machen. "Das ist eine Thematik, die ich erst im zweiten Quartal zu beantworten vermag", so Jung. Aber auch Skoda sei gezwungen, die Zahl der 28.000 Mitarbeiter weltweit an die Absatzzahlen anzupassen. "Die Gesamtzahl unserer Mitarbeiter wird sich an der Entwicklung der Marktnachfrage orientieren."
Trotz des Sparprogramms will Skoda zudem keine Modelle verschieben und hält auch am Rallyesport fest. " Gespart wird überall außer an notwendigen Produkteinführungen. An den Terminen rütteln wir nicht. Denn je früher man in einer Krisensituation wie der jetzigen ein Fahrzeug in den Handel bringt, desto besser", betont Jung. "An allen anderen Positionen werden wir aber rütteln. Harte Einschnitte, wie einen kompletten Rückzug aus der Rallye oder unsere Sponsoring beim Eishockey oder Radsport, planen wir aber nicht. Aber wir überprüfen jede andere Maßnahme darauf, ob wir sie nicht schieben können."
Quelle: Pressemeldung Motor Presse Stuttgart GmbH & Co. KG
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