DWS Pressekonferenz: Marktausblick
Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat über Fiskalstimuli selbst in Ländern wie Frankreich und Deutschland die Staatsverschuldung auf 82 bzw. 76 Prozent des Bruttoinlandsproduktes katapultiert.
Wöhrmann fordert einen konsequenten Schuldenabbau, eine vernünftige Haushaltspolitik, die Bereinigung der Statistiken sowie eine wachstumsorientierte Politik - und zwar nicht nur in Griechenland, sondern in all jenen Ländern, die in der jüngsten Vergangenheit über ihre Verhältnisse gelebt haben, wie Spanien oder England. Gleiches gilt für die Staaten, die von den Exzessen dieser Länder profitiert haben und inzwischen ebenfalls verschuldet sind.
Zinsschritte in der zweiten Jahreshälfte
Eine Konsolidierung der Staatsfinanzen sowie ein Rückgang der Verschuldungsquoten müssten Wöhrmann zufolge in der Regel disinflationär wirken und eine weiterhin aggressive Geldpolitik erlauben. Die DWS erwartet, dass die Zentralbanken in Europa und den USA den Märkten schrittweise die in der Krise zugeführte Liquidität entziehen und erst im zweiten Halbjahr 2010 die Zinsen erhöhen werden.
Inflationsängsten erteilt der Rentenchef für die Industrieländer eine klare Absage: "Eine nachfrageinduzierte Inflation ist aufgrund der hohen Reservekapazitäten derzeit unwahrscheinlich; eine Kostendruckinflation ist wegen der fallenden Beschäftigungszahlen, die auch die Lohnkosteninflation im Rahmen hält, in den USA und Europa nicht zu erwarten", so Wöhrmann.
Für das Gesamtjahr 2010 erwartet die DWS eine schwache zyklische Erholung. Impulse kommen vor allem aus den Schwellenländern, etwa aus China: "Das Land bleibt eine Wachstumslokomotive", prognostiziert Wöhrmann, "auch wenn das rapide steigende Kreditwachstum, eine drohende Abstufung der chinesischen Banken durch Ratingagenturen sowie eine mögliche Blasenbildung am Immobilienmarkt die Euphorie kurzfristig dämpfen könnten". Chinas Export wird sich dagegen behaupten können. Die Industriestaaten hinken den Wachstumserwartungen hinterher. Gedämpft wird die Konjunkturerholung vor allem durch den Schuldenabbau der privaten Haushalte in Ländern wie den USA, Spanien und England, der auf die Konsumausgaben drückt.
Schwellenländer attraktiv
In diesem Umfeld bleiben sowohl Unternehmensanleihen als auch Anleihen aus den Schwellenländern attraktiv. Die Emerging Markets sind aufgrund ihrer geringen Staatsverschuldung, steigender Fremdwährungsreserven und der weltweit hohen Rohstoffnachfrage fundamental gut unterstützt. Da es zwischen den Ländern große Unterschiede gibt, ist eine sorgfältige Investmentauswahl wichtiger denn je. Attraktive Anlagechancen sieht Wöhrmann in Russland, ausgewählten osteuropäischen Konvergenzländern und einigen ausgewählten südamerikanischen Ländern. Chancen ergeben sich auch auf der Währungsseite. Wöhrmann: "Der US-Dollar wird im Laufe des Jahres auch wieder eine Schwächephase erleben". Der Rentenexperte rechnet dabei mit größeren Schwankungen, die ein aktives Management erfordern.
Aktien: Substanztitel aussichtsreich
An den Aktienmärkten sind die Kurse seit Mitte 2009 von einer deutlich steigenden Risikobereitschaft nach oben getragen worden: "Von den beispiellosen geld- und fiskalpolische Geldspritzen berauscht, haben die Aktienmärkte 2009 weltweit zulegen können. Gerade die Kurse von Unternehmen geringer Qualität und hoher Konjunkturanfälligkeit sind ihrem fairen Wert davongeeilt", so Klaus Kaldemorgen, Sprecher der Geschäftsführung der DWS und weltweiter Leiter des Aktienfondsmanagements. In Folge der entfesselten Staatsausgaben wächst jedoch mittlerweile auch an den Aktienmärkten die Angst, dass die Staaten die Schulden nicht in den Griff bekommen. Für werthaltige Unternehmen ist Kaldemorgen dennoch optimistisch gestimmt: "Unternehmen haben in der Krise eindrucksvoll ihre Anpassungsfähigkeit demonstriert und können sich an den Märkten wieder zu sehr niedrigen Konditionen kapitalisieren." Mit Hinweis auf das historisch niedrige Zinsaufkommen für Barmittel erklärt Kaldemorgen: "Am Ende werden Aktien auch 2010 höhere Renditen abwerfen als Renten."
Das weltweite Wirtschaftswachstum wird außerhalb der Schwellenländer schwach ausfallen: "Wir sehen noch kein selbsttragendes Wachstum, die Wirtschaft hängt am Tropf der Zentralbanken und Regierungen". Anders schätzt er die Aussichten für die Schwellenländer ein. Die wirtschaftliche Prosperität dieser Länder spiegelt sich in der Entwicklung der jeweiligen Börsen wider. "Der MSCI Emerging Markets hat in den letzten 10 Jahren über 80 Prozent zulegen können, gegenüber deutlichen Kursverlusten der etablierten Märkte. In Brasilien, China und Indien ist daher von einem goldenen Jahrzehnt die Rede". Aufgrund der Kursschwäche sind viele Aktien der etablierten Länder nach Ansicht Kaldemorgens mittlerweile sehr werthaltig. Das sollte sich in den kommenden Jahren in steigenden Kursen bemerkbar machen. Vor allem Japan könnte 2010 positiv überraschen.
Rohstoffe als volatile Beimischung, Gold als Währungsalternative
Die Entdollarisierung der Weltwirtschaft wird nach Meinung von Kaldemorgen weitergehen. Kurzfristige Belastungen des Euro durch geringe Solidität einzelner Mitgliedstaaten werden nach seiner Ansicht daran nichts ändern. Weiterhin positiv sieht Kaldemorgen die Entwicklung von Gold: "Gold ist auch als Währungsalternative geeignet. Es kann nicht beliebig gedruckt werden, die Fördermenge ist begrenzt." Vom Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern sollten auch Rohstoffe profitieren. Allerdings sieht Kaldemorgen hier aufgrund des hohen Engagements von Finanzinvestoren große Schwankungen in der Preisentwicklung.
Dividendenrenditen höher als Bondrenditen
Wie viel Wert Aktien derzeit bieten veranschaulicht die Dividendenrendite. Viele Unternehmen aus den Sektoren Telekommunikation, Versorger und Energie liefern Dividendenrenditen von über 5 Prozent. Kaldemorgen setzt im Sinne einer risikoarmen Anlagestrategie besonders auf diese Sektoren. Als Beimischung favorisiert er Unternehmen aus den Schwellenländern sowie Wandelanleihen. Zyklische Unternehmen sind in seinen Depots untergewichtet. Für die großen Aktienindizes prognostiziert Kaldemorgen für 2010 eine Wertsteigerung von bis zu 10 Prozent.
Quelle: Pressemeldung DWS Investment GmbH
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