Europa bietet Chancen

02.06.2010 | Hamburg
Marode Staatsfinanzen, geringe Wachstumschancen, Eurokrise: Der Wert europäischer Aktien sinkt in Folge der schlechten Nachrichten ebenso wie der Wert des Euro. Laut einer Umfrage der Bank of America Merrill Lynch meiden Fondsmanager zurzeit europäische Aktien. Ein Fehler, wie die Fondsmanager von J.P.

Morgan Asset Management finden: "In der Vergangenheit hat es sich bewährt, in einer solchen Phase investiert zu bleiben", sagt Karsten Stroh, Leiter des Produktmanagements für europäische Aktienfonds der Gesellschaft in London. "Nach einer solchen Korrektur sollte man nicht den Aufschwung zu verpassen." Die Kurse könnten in sechs Monaten bis zu 20 Prozent und aufs Jahr gesehen bis zu 25 Prozent wachsen. Stroh vergleicht die Situation mit dem vergangenen Jahr, als sich europäische Aktien im Februar auf dem Tiefstand befanden: "Viele Investoren blenden derzeit aus", meint er, "dass die Anlageregion Europa gerade erst im letzten Jahr mit 32,2 Prozent eine deutlich bessere Wertentwicklung als andere Märkte wie die USA oder Japan zeigte. Diese Rallye haben viele Anleger verpasst." Auch in der Euro-Schwäche sehen die Fondsmanager von J.P. Morgan Chancen. Von seinem bisher tiefsten Stand von 0,8230, den er im Oktober 2000 im Vergleich zum US-Dollar reichte, sei der Euro noch weit entfernt: "Auch wenn der Euro zurzeit eine Schwächeperiode erlebt, nimmt seine globale Bedeutung als Handelswährung und Währungsreserve stetig zu", sagt Stroh. Die internationalen Währungsreserven in Euro sind seit dessen Einführung im Jahr 1999 stark gestiegen. Bei einem Anteil von anfangs nur 18 Prozent machten sie mittlerweile rund 30 Prozent aus. Im selben Zeitraum seien die Dollar-Reserven um zehn auf 61 Prozent gesunken. Die konservative Geldpolitik der EZB sorgt für weiteres vertrauen. "Bei der aktuellen Schwäche sollten Anleger auf die positiven Effekte achten", meint Stroh. "Sie verbilligt europäische Exporte in die USA und die Schwellenländer und wirkt so wie ein Absatzbeschleuniger". Zumal die Konjunktur weltweit anzieht und der Bedarf an Waren nicht nur in den Schwellenländern, sondern auch in den USA wieder steigt.

Auch wenn die Haushaltslage europäischer Staaten zurzeit Schlagzeilen schreiben, die Lage der Unternehmen stimmt deutlich optimistischer. "Europas Unternehmen sind die Hauptgewinner der Globalisierung und haben sich in den vergangenen Monaten durch Restrukturierungen und Kostensenkungen extrem wettbewerbsfähig aufgestellt. Dieses Potenzial sollten Anleger nicht unterschätzen", erklärt Stroh. Europa zähle zu den wichtigsten Märkten der Welt. Mehr als 40 Prozent aller Exporte haben ihren Ursprung in den Staaten der Europäischen Union. Neben dem europäischen Handel sind die USA mit Abstand der wichtigste Partner der EU. Danach folgen Russland, China, die Türkei, die Vereinigten Arabischen Emirate sowie Indien und weitere fünf Schwellenländer. Der Warenwert, der nach Russland, China und in die Türkei geliefert wird, liegt mit 346,7 Milliarden US-Dollar fast so hoch wie der Exportwert in die USA: Tendenz steigend. "Dieser Trend sollte anhalten", meint Stroh. "Die Entwicklung der vergangenen zehn Jahre, in denen sich aufstrebende Länder dem Weltmarkt öffneten, setzt sich fort." Das bietet große Chancen für europäische Unternehmen, so der Fondsmanager weiter: "Anleger sollten also bedenken, dass sie mit einer Anlage in europäische Aktien ein gutes Stück Wachstum aus den aufstrebenden Schwellenmärkten kaufen - und das mit einer auch im historischen Vergleich äußerst niedrigen Volatilität." br> Die jüngsten positiven Quartalszahlen bestätigten diese Entwicklung eindrücklich. Nicht nur die Fondsmanager von J.P. Morgan sprechen bereits von der besten Berichtssaison seit fünf Jahren. Außerdem: Die aktuelle Unterbewertung europäischer Unternehmen setze für Anleger ein gutes Signal zum Einstieg.

(vs)

Quelle: Pressemeldung BÖAG BÖRSEN AG

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