Kanton Waadt: Hohe Lebensqualität und Internationalität schaffen Dynamik

11.05.2010 | Zürich
Der Kanton Waadt hat sich in den letzten Jahren zunehmend zu einer pulsierenden Region entwickelt, dank überdurchschnittlichem Bevölkerungs- und Beschäftigungswachstum. Vorteilhaft wirkt sich dabei die spezifisch Waadtländische Kombination von Standortfaktoren aus.

Die globale Anbindung durch internationale Einrichtungen und Unternehmen, die Nähe zu Genf sowie die Lebensqualität der Region schaffen ideale Rahmenbedingungen und wirken Standortnachteilen wie Steuerbelastung oder Erreichbarkeit entgegen.

Dies gilt allerdings nicht für den gesamten Kanton, wie die aktuellste Studie der Credit Suisse zeigt. So günstig sich die Seeseite entwickeln konnte, so schwierig ist es für das Hinterland. Von den negativen Folgen der jüngsten Krise war das Waadtland ebenso stark betroffen, wie zuvor von den positiven Auswirkungen des Aufschwungs, die eine grosse Dynamik in den Kanton gebracht hatten. Im Vergleich zum Schweizer Durchschnitt konnte der Rückgang der wirschaftlichen Aktivität im Kanton Waadt aber stärker gebremst werden.

Eine spannungsreiche Vielfalt mit einem Nebeneinander von Natur und Kultur, von Historie und Moderne zeichnet den Kanton Waadt aus. Die aussergewöhnliche Naturkulisse mit Genfersee, Alpenblick und der traditionellen Kulturlandschaft des Lavaux steht für Lebensqualität; internationale Organisationen und Unternehmen sowie die Nähe zu Genf repräsentieren die Internationalität und Dynamik der Region. Genau diese Mischung hat insgesamt in den letzten Jahren im Kanton Waadt eine positive Entwicklung gefördert - wenn auch nicht überall. Denn auch eine andere Art von Gegensätzen ist charakteristisch für den Kanton: Während im seenahen Waadtland Wirtschaft und Bevölkerung in den letzten Jahren deutlich gewachsen sind, musste der übrige Kanton Stagnation oder sogar Rückgang hinnehmen. Diese unterschiedlichen Tendenzen haben bereits vorhandene regionale Disparitäten verstärkt - sei es im Einkommensniveau der Bevölkerung, bei der Branchenstruktur oder in der wirtschaftlichen Wertschöpfung.

Hohe Zuwanderung aus dem Ausland - aber nicht aus anderen Kantonen

Das Bevölkerungswachstum in der Waadt hat in den letzten zehn Jahren den Schweizer Durchschnitt deutlich übertroffen. War die Zuwanderung im Jahr 2000 noch für einen Zuwachs von 1'400 Einwohnern verantwortlich, hat sich diese Zahl bis 2008 auf 15'000 vervielfacht. Getragen wird die Entwicklung von der Zuwanderung aus dem Ausland. Wichtigste Herkunftsorte sind Länder der EU mit etwa der Hälfte der Auslandszuwanderung, allen voran Frankreich. Aus anderen Kantonen der Schweiz gewinnt das Waadtland dagegen nur wenige Neubürger; im Jahr 2008 sind sogar mehr Waadtländer in andere Kantone ausgewandert als umgekehrt.

Hohe Standortattraktivität mit regionalen Unterschieden

Weist der Kanton Waadt bei den qualitativen Standortfaktoren wie Lebensqualität oder bei der Internationalität unbestritten Standortvorteile auf, so gilt dies nicht in gleichem Masse für die Steuerbelastung oder die verkehrstechnische Erreichbarkeit. Bei diesen Indikatoren positioniert sich der Kanton Waadt leicht unter dem Landesdurchschnitt, liegt damit innerhalb der Westschweiz allerdings nach Genf immer noch auf dem zweiten Platz. Auch hier gibt es innerhalb des Kantons grosse Differenzen. Von den nahe bei Genf und direkt am See gelegenen Regionen fällt die Standortqualität nach Norden und in Richtung Wallis ab. Am Nordufer des Genfersees ist dagegen beispielsweise das Angebot hochqualifizierter Fachkräfte aufgrund der Nähe zum Arbeitsmarkt Genf/Lausanne sowie der Wohnumfeldqualität hoch. Hier zeigt sich, wie weiche Standortfaktoren unter den richtigen Rahmenbedingungen harte Faktoren der Standortqualität positiv verstärken können.

Starker Dienstleistungssektor und hochspezialisierte Industrie

Insgesamt ist der Kanton Waadt vom Dienstleistungssektor geprägt. Mit knapp drei Vierteln der Beschäftigten liegt sein Anteil damit über dem Schweizer Durchschnitt. Regional sind jedoch auch industrielle Branchen von grosser Bedeutung. Bestes Beispiel hierfür ist das für seine Uhrenindustrie bekannte Vallée de Joux, wo etwa jeder zweite Arbeitnehmer in der Branche beschäftigt ist. Für die kantonale Wertschöpfung pro Beschäftigten ergibt sich aus der Wirtschaftsstruktur insgesamt ein Wert leicht unter dem Schweizer Mittel; damit belegt das Waadtland im interkantonalen Vergleich Rang 8.

Beschäftigungswachstum der guten Jahre macht anfällig für die Krise

Ausschlaggebend für die insgesamt positive Wirtschaftsentwicklung im Kanton Waadt sind expandierende Unternehmen, aber auch die überdurchschnittlich grosse Anzahl an neuen Unternehmensgründungen; Nyon ist hier führend. Auch in der Beschäftigungsentwicklung zwischen 1995 und 2008 hat der Kanton Waadt das nationale Wachstum übertroffen. Stärkste Gewinne konnten Nyon, Morges/Rolle und La Vallée de Joux verbuchen. Neben Unternehmens- und Finanzdienstleistungen sind dabei auch wertschöpfungsintensive Industriebranchen wie die Uhrenindustrie deutlich gewachsen. Im Abschwung, welcher gerade diese Branchen besonders betroffen hat, hatte dies allerdings auch negative Folgen: Der kantonale Arbeitsmarkt hatte zu leiden - die Arbeitslosenquote war höher, die Anzahl offener Stellen niedriger als im Landesdurchschnitt. Dank des Bevölkerungswachstums hatten jedoch auch Handel und Verkauf sowie das Baugewerbe an Beschäftigung zugelegt.

Quelle: Pressemeldung Credit Suisse

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