Mittelständische Unternehmen sichern Zinsrisiken nicht ausreichend ab

29.04.2010 | Frankfurt am Main
Trotz der Erwartung steigender Zinsen sichern mittelständische Unternehmen Zinsrisiken nicht ausreichend ab. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage der Deutschen Bank unter 400 Unternehmen in Deutschland.

Vier von fünf befragten Unternehmen gehen davon aus, dass die Zinsen mittel- und langfristig wieder steigen (81 Prozent). Knapp drei Viertel (73 Prozent) der Unternehmen befürworten eine Absicherung, wenn von steigenden Zinsen auszugehen ist. Trotz dieser Bewertung spielt bei nur rund einem Drittel der Unternehmen (38 Prozent) das Thema Zinssicherung eine wichtige oder sehr wichtige Rolle. Weniger als die Hälfte der Unternehmen (47 Prozent) haben Erfahrung mit der Zinssicherung von Krediten. Bei kleineren Unternehmen sind es sogar nur 40 Prozent.

"Unternehmen haben Nachholbedarf bei der Zinssicherung", fasst Cornel Wisskirchen, Mitglied der Geschäftsleitung Firmenkunden Deutschland und des Management Committee Deutschland der Deutschen Bank die Ergebnisse der Studie zusammen. "Erstaunlich ist, dass trotz der Erwartung steigender Zinsen sehr viele Unternehmen auf eine Zinssicherung verzichten und damit einher gehende Risiken möglicherweise unterschätzen. Das ist vor dem Hintergrund einer anziehenden Konjunktur und einem steigenden Finanzierungsbedarf auch für kleinere Unternehmen gefährlich."

Die Ursache für die Zurückhaltung vieler Unternehmen bei der Zinssicherung liegt dabei nicht in der Komplexität der Produkte. Nur ein Drittel der befragten Unternehmen (32%) sagen, dass Instrumente zur Zinssicherung zu kompliziert und aufwendig seien.

Die Studie zeigt regionale Unterschiede. Bei der Absicherung gegen steigende Zinsen sind Unternehmen aus dem Norden (62 Prozent) und Osten Deutschlands (58 Prozent) besonders aktiv. Besonders zurückhaltend sind Unternehmen aus dem Süden (43 Prozent) und Westen Deutschlands (41 Prozent).

Bei der Absicherung steht der mittel- bis langfristige Zeithorizont im Vordergrund (88 Prozent). Als Instrumente werden Festsatzfinanzierungen (69 Prozent) und Finanzderivate (61 Prozent) genutzt. Mit Blick auf die Konstruktion von Zinssicherungsinstrumenten ist es für Unternehmen besonders attraktiv eine Zinsobergrenze zu vereinbaren, die aber gleichzeitig die Chance bietet, von niedrigen Zinsen zu profitieren (58 Prozent).

Die Untersuchung

Die Deutsche Bank hat im Februar und März 2010 Interviews mit 400 Unternehmen geführt. Befragt wurden Finanzentscheider in 200 Unternehmen mit einem Umsatz von 1 Million bis 25 Millionen Euro und 200 Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 25 Millionen Euro.

Quelle: Pressemeldung Deutsche Bank AG

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