Settlement-Schwierigkeiten: NORD/LB klärt auf und zieht Konsequenzen

02.04.2008 | Hannover/Braunschweig
Der Aufsichtsrat der NORD/LB Norddeutsche Landesbank hat sich in seiner Sitzung am 2. April 2008 mit der Aufklärung der aktuellen Settlement-Schwierigkeiten des Institutes im Zusammenhang mit einem nicht erfüllten Kundengeschäft befasst. Die Eigentümer der Bank wurden bereits zuvor intensiv in die Aufklärung eingebunden.

Insbesondere hatten sich der Kreditausschuss sowie die Trägerspitzen jeweils zeitnah mit Berichten der internen Revision befasst.

Der Aufsichtsrat hat nach eingehender Beratung festgestellt, dass die wesentlichen Ursachen für die aufgetretenen Schwierigkeiten im Fehlverhalten einzelner Mitarbeiter und Führungskräfte liegen, die gegen interne Regeln verstoßen und ihre Kompetenzen überschritten hatten. Dabei wurden zeitweise interne Kontrollprozesse missachtet, wodurch das Risikocontrolling und das Meldewesen die offenen Positionen vorübergehend nicht erkennen konnten. Die Vorgänge sind von den Kontrollsystemen der Bank dennoch aufgedeckt worden.

Der Aufsichtrat hat zusätzliche Vorkehrungen des Vorstandes zur Kenntnis genommen, mit denen solche Vorfälle künftig verhindert werden sollen. Dazu zählen die weitere Verfeinerung der handelsinternen Kontrollmechanismen und die Implementierung zusätzlicher handelsunabhängiger Eskalationsstufen, die bei Settlement-Schwierigkeiten unverzüglich Monitoring-Prozesse auslösen. Darüber hinaus werden die Arbeitsanweisungen für den Handel nochmals verschärft. Zudem hat die NORD/LB die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers beauftragt, die Vorgänge einer zusätzlichen externen Prüfung zu unterziehen. Eine von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht in diesem Zusammenhang eingeleitete Sonderprüfung wird die Bank selbstverständlich ebenfalls in vollem Umfang unterstützen.

Nach Aufdeckung der Vorkommnisse hat die NORD/LB die beiden involvierten Mitarbeiter sofort suspendiert und ihnen nach Aufklärung des Sachverhalts gekündigt. Das Arbeitsverhältnis mit dem für diesen Geschäftsbereich zuständigen Generalbevollmächtigen ist ebenfalls beendet worden.

Das für den Handelsbereich der Bank verantwortliche Vorstandsmitglied Jürgen Kösters hat den Aufsichtsrat gebeten, von seinen Pflichten im Vorstand mit Wirkung zum 31. März 2008 entbunden zu werden. Der Aufsichtsrat hat diesem Wunsch entsprochen. Die bislang von Kösters verantworteten Bereiche werden bis auf weiteres vom stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Dr. Gunter Dunkel sowie vom Vorstandsmitglied Eckhard Forst übernommen.

In den 13 Jahren seines Wirkens für die NORD/LB hat Kösters die Einheit Financial Markets zu einem wichtigen Geschäftsbereich mit einer bedeutenden Position auf den nationalen und internationalen Kapitalmärkten ausgebaut. Der Aufsichtsratsvorsitzende dankte Kösters für seine hervorragenden Leistungen sowie für die langjährige vertrauensvolle Zusammenarbeit und wünschte ihm für künftige Aufgaben alles Gute.

Bei den im Kundenauftrag durchgeführten Aktiengeschäften geht die NORD/LB weiterhin von einer für sie wirksamen Rechtsposition aus und wird ihre Ansprüche geltend machen. Die Transaktionen betreffen die Titel Balda AG, Curanum AG, euromicron AG und RemoteMDx sowie zwei weitere Werte. Der Gesamterwerbspreis lag bei rund 234 Mio. Euro. Die Position ist aus Vorsichtsgründen und Berücksichtungen der anhaltenden Marktverwerfungen bereits im Rahmen des Jahresabschlusses 2007 mit Rückstellungen in Höhe von 82,5 Mio. berücksichtigt worden, wie die Bank am 6. März dieses Jahres mitgeteilt hatte. Für das laufende Jahr ergeben sich nach aktuellem Stand (1. April 2008) weitere mögliche Bewertungsverluste in Höhe von 50,4 Mio. Euro. Die Bank hat jedoch keinerlei Verkaufsdruck, sondern wird die weitere Entwicklung an den Aktienmärkten beobachten.

Trotz der angespannten Lage auf den Finanzmärkten und unter Berücksichtigung der Rückstellung konnte die NORD/LB ihr Betriebsergebnis im Geschäftsjahr 2007 gegenüber dem Vorjahr um 5,7 Prozent auf 642,4 Mio. Euro steigern und signifikante Ertragssteigerungen im operativen Geschäft erzielen. Damit ist die Bank in der Lage, eventuelle Bewertungsverluste aus den nicht abgenommenen Aktienpositionen ohne Beeinträchtigung ihrer Substanz zu verarbeiten.

Quelle: Pressemeldung NORD/LB Norddeutsche Landesbank Girozentrale

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