Stabile Entwicklung der Ratings von Schweizer Elektrizitätsversorgern

06.12.2010 | Zürich
Studie der Credit Suisse: "Kredithandbuch Schweizer Elektrizitätsversorger 2010"

Das "Kredithandbuch Schweizer Elektrizitätsversorger 2010" dient Anlegern in CHF-Anleihen als Orientierungshilfe bei der Beurteilung der Bonität der führenden Schweizer Stromversorgungsunternehmen. Das Emissionsvolumen zeigt, dass die Bonität der meisten Schweizer Versorgungsunternehmen, unterstützt durch starke Bilanzen, trotz höherer Investitionstätigkeiten und sinkender Profitabilität stabil geblieben ist. Sinkende Strompreise in Europa, ein höherer Bedarf an Investitionen in Produktionsanlagen und regulatorische Schwierigkeiten stellen den Sektor vor zunehmend grössere Herausforderungen. Dennoch geht die Credit Suisse für die nächsten zwölf Monate von einer stabilen Entwicklung der Ratings aus und sieht Anleihen von Schweizer Stromversorgern weiterhin als interessante Investitionsmöglichkeit für langfristige Obligationen-Anleger.

Die neue Ausgabe des Kredithandbuchs Schweizer Elektrizitätsversorger analysiert den Schweizer Elektrizitätssektor aus der Perspektive eines Kapitalmarktanlegers und liefert Anlegern Informationen über den gegenwärtigen Stand und die Entwicklung der Bonität von Schweizer Emittenten innerhalb des schweizerischen Stromsektors.

Stabile Entwicklung der Ratings dank weiterhin starker Bilanzen

Dank meist solider Bilanzen entwickelten sich die Ratings der untersuchten grossen und vertikal integrierten Schweizer Stromversorger im Geschäftsjahr 2009 und seit Jahresbeginn 2010 insgesamt stabil, trotz sinkender Profitabilität und Cashflow-Generierung aufgrund schwieriger Marktbedingungen (insbesondere der niedrigeren Strompreise in Europa). Im Allgemeinen verfügen die Unternehmen angesichts der aktuellen Ratings über genügend finanziellen Spielraum, da viele von ihnen eine solide Cashflow-Generierung und gesunde Bilanzen aufweisen. Da sich die Bonitätsratings der bedeutendsten vertikal integrierten Elektrizitätsversorger der Schweiz stabil entwickelten, wiesen auch jene der Schweizer Partnerwerke und Bezugsrechtsgesellschaften eine relativ stabile Entwicklung auf.

Geringerer finanzieller Spielraum nach grossen Kapazitätserhöhungsprojekten

Im Allgemeinen verfügen vertikal integrierte Schweizer Elektrizitätsversorger seit jeher über einen beträchtlichen finanziellen Spielraum. Seit 2006 nimmt die Investitionstätigkeit in diesem Sektor eindeutig zu, was zu einem erneuten Schuldenanstieg führt, das wiederum die kurz- bis mittelfristige finanzielle Flexibilität des Sektors immer stärker einschränkt. Dieser Trend wurde nach der aufgrund der in Europa deutlich gesenkten Strompreise verhaltenen operativen Leistung der meisten Gesellschaften in den Jahren 2009 und 2010 noch weiter verstärkt. Trotzdem bleibt die Bonität im Allgemeinen solide, da der Sektor weiterhin von seinem zusätzlichen Puffer bei der Verschuldungsfähigkeit profitiert.

Sektor sieht sich vor Herausforderungen

Die Bonitätsanalysten der Credit Suisse gehen davon aus, dass der Versorgungssektor vor beträchtlichen Herausforderungen steht. Ähnlich wie ihre europäischen Mitbewerber haben Schweizer Elektrizitätsversorger zahlreiche Hindernisse zu bewältigen, wie etwa gefallene Strompreise in Europa, zunehmender Wettbewerbsdruck, regulatorische Eingriffe, rechtliche Ungewissheiten (nach der Entscheidung des Schweizer Bundesrats, das Stromversorgungsgesetz zu überarbeiten) und weiterhin hohe und in einigen Fällen sogar steigende Investitionsausgaben.

Schweizer Elektrizitätsversorger sind den zunehmend schwierigeren Geschäftsbedingungen gewachsen

Schweizer Elektrizitätsversorger werden den bevorstehenden Herausforderungen gewachsen sein und ihre Strategien entsprechend anpassen. Die Stromversorger werden sich bei ihren Produktportfolios auf massgeschneiderte Produkte und Öko-Labels verlagern und sich dabei auf Wachstum, Kosteneffizienz, weitere Optimierung der Energiebeschaffung (dies beinhaltet auch Strategien zur Steigerung der Produktionskapazität) und strategisches Stakeholder-Management konzentrieren. Hinsichtlich ihrer Marktposition werden die grossen vertikal integrierten Schweizer Versorgungsgesellschaften auch künftig von der Attraktivität ihrer Stromerzeugungsanlagen profitieren. Während der hohe Anteil der durch flexible Wasserkraft erzeugten Energie Geschäftsmöglichkeiten in Europa erschliesst, dürfte die im Vergleich zu europäischen Mitbewerbern CO2-arme Energieerzeugung die Vorteile niedriger Erzeugungskosten weiterhin untermauern. Ein zusätzlicher Vorteil (besonders im Hinblick auf den Stromhandel) ergibt sich durch die günstige geografische Lage der Schweiz innerhalb Europas.

Stabiler Ausblick für die Ratings

Die Credit Suisse erwartet, dass sich die Ratings über die nächsten zwölf Monate relativ stabil entwickeln. Der Sektor hat über den Kreditzyklus hinweg eine solide Cashflow-Generierung, eine gesunde Bilanzstruktur und in den meisten Fällen eine hohe finanzielle Flexibilität. Der Grossteil der untersuchten Unternehmen besitzt mit den aktuellen Ratings beträchtliche finanzielle Möglichkeiten und profitiert von einem überdurchschnittlich guten Geschäftsprofil. Allerdings könnte das Finanzprofil einiger der untersuchten vertikal integrierten Elektrizitätsversorger unter Druck geraten. Wenn sich die Tendenz steigender Investitionsausgaben im Tempo der letzten Jahre fortsetzt und die Cashflow-Generierung gleichzeitig verhalten bleibt (z. B. in Folge von unterdurchschnittlichen Strompreisen auf dem europäischen Markt), könnte dies mittelfristig Rückstufungen nach sich ziehen. In dieser Situation erwarten die Bonitätsanalysten, dass das Rückstufungspotenzial für den gesamten Sektor angesichts der weiterhin überdurchschnittlich guten Geschäftsprofile der Versorgungsunternehmen relativ beschränkt bleibt (etwa eine Stufe).

Schweizer Elektrizitätsversorger bleiben weiterhin wichtige Anlagekategorie für Anleger am Obligationenmarkt

Insgesamt weisen Schweizer Elektrizitätsversorger weiterhin eine solide Bonität auf, nicht zuletzt aufgrund ihrer relativ konservativen Finanzstrategie. Der Sektor hat bewiesen, dass er im Vergleich zu anderen Sektoren weniger zyklischen Bewegungen unterliegt, nicht nur was Ertragsschwankungen angeht sondern auch im Hinblick auf Kreditrisikozuschläge. Des Weiteren gewinnt Energie für Wirtschaft und Gesellschaft immer mehr an Bedeutung. Schweizer Elektrizitätsversorger verfügen zudem gegenüber ihren europäischen Mitbewerbern über einige Wettbewerbsvorteile (z. B. CO2-arme Erzeugung und flexible Wasserkraft), die wiederum ihren Geschäftsprofilen zu Gute kommen. Demzufolge sehen die Bonitätsanalysten Anleihen in Schweizer Elektrizitätsversorger weiterhin als wichtige Anlagekategorie für langfristige Investoren.

Quelle: Pressemeldung Credit Suisse

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