Überraschend zügige Konjunkturerholung in den USA
Bestärkt wurde diese Auffassung dadurch, dass sich die Konjunkturperspektiven nach den Terroranschlägen in den USA zusätzlich eingetrübt hatten. Allenfalls mit Blick auf das zweite Halbjahr, so die gängige Meinung, sei von einer Besserung auszugehen.
Dieses Bild hat sich in den letzten Wochen grundlegend gewandelt. Einmal mehr hat sich die US-Wirtschaft als äußerst robust erwiesen. Bereits im Schlussquartal des letzten Jahres lag das Wirtschaftswachstum mit einer laufenden Jahresrate von 1,7 % weit über Rezessionsniveau und im gerade abgelaufenen ersten Quartal dürfte der Zuwachs der gesamtwirtschaftlichen Produktion bei deutlich über 4 % gelegen haben. Damit haben sich die Konjunkturperspektiven auch für die übrigen Industrieländer aufgehellt, denn mit Erholung der US-Konjunktur wird sich die Auslandsnachfrage wieder deutlich beleben. Zudem hat die überraschend schnelle Erholung in den USA bereits zu einer merklichen Aufhellung des Geschäftsklimas im Ausland, darunter auch im Euro-Raum und in Deutschland, geführt.
Auf Grund der deutlich verbesserten Datenlage kann der Aufschwung in den westlichen Industrieländern aus heutiger Sicht somit als so gut wie sicher angesehen werden. Damit stellt sich die Frage, wie stark und nachhaltig er ausfallen wird. Hierzu muss zunächst beantwortet werden, welche Kräfte für die überraschend schnelle Überwindung der konjunkturellen Talsohle in den USA verantwortlich waren. Hier sind zwei Faktoren zu nennen. Zum einen haben die US-Unternehmen in Reaktion auf die im Herbst 2000 abrupt einsetzende Konjunkturabschwächung ihre Lagerbestände über mehr als ein Jahr hinweg deutlich reduziert. Dieser Prozess wurde jetzt mit Belebung der Nachfrage gestoppt, so dass allein hieraus ein starker Wachstumsimpuls resultiert. Darüber hinaus hat die sehr expansiv angelegte Wirtschaftspolitik die Nachfrage gestärkt. Die US-Notenbank hat im Verlauf von 2001 die Leitzinsen auf ein 40-Jahres-Tief von 1,75 % gesenkt und die Finanzpolitik hat die Füllhörner angesichts voller öffentlicher Kassen weit geöffnet.
Diese Effekte dürften im weiteren Jahresverlauf aber an Einfluss verlieren, denn der sehr kräftige Wachstumsimpuls aus dem Lagereffekt dürfte allenfalls in das zweite Quartal hineinreichen. Von der amerikanischen Geldpolitik ist bereits im Sommer eine erste Korrektur des gegenwärtig sehr expansiven Kurses zu erwarten. Damit wird entscheidend, ob der Wachstumsfunke vom Lagerzyklus und der Wirtschaftspolitik auf die Binnennachfrage, sprich den Konsum und die Investitionen, überspringt. Die Chancen hierfür stehen nicht schlecht, denn die Unternehmensgewinne dürften 2002 wieder steigen, und die Lage am Arbeitsmarkt wird sich im weiteren Jahresverlauf entspannen. Allerdings ist es im Zuge des sehr langgestreckten Aufschwungs in den USA zu Ungleichgewichten gekommen, die einer kräftigen Belebung der Binnennachfrage entgegenstehen. So befindet sich die Sparquote trotz deutlicher Steuerentlastungen mit 2 % weiterhin auf einem äußerst niedrigen Niveau und die Kapazitätsauslastung ist so gering wie zuletzt 1983.
Vor diesem Hintergrund gehen wir davon aus, dass die US-Wirtschaft nicht dauerhaft zu den sehr hohen Wachstumsraten des New Economy Booms der zweiten Hälfte der neunziger Jahre zurückkehren wird und sich das US-Wachstum im zweiten Halbjahr wieder leicht auf 2,5 % bis 3 % abschwächt. Größtes Risiko für den Aufschwung ist der Ölpreis. Er ist angesichts zahlreicher Krisenherde im Nahen und Mittleren Osten im März um mehr als 30 % auf 27 US-$ pro Fass gestiegen. Damit befinden sich die Rohölnotierungen aber noch auf einem Niveau, bei dem die Rückwirkungen auf die Realwirtschaft vergleichsweise gering sind. Problematischer wäre, wenn der Ölpreis bei Eskalation einer der internationalen Krisenherde für einen längeren Zeitraum auf über 30 US-$ steigen würde. Dann nämlich würde die Kaufkraft der Privaten Haushalte und die Investitionsneigung der Unternehmen geschwächt. Zudem müssten die Notenbanken die Geldzügel stärker straffen, als dies aus heutiger Sicht zu erwarten ist. Für die hier gemachten Prognosen ist unterstellt, dass es nicht zu einer weiteren Verteuerung der Rohölpreise kommt.
Finanzmarktausblick
Angesichts der erkennbaren Aufwärtstendenzen der Weltkonjunktur gestalten sich die Vorgaben für die Finanzmärkte durchaus positiv. Zwar neigen die Aktienmärkte nach einem kräftigen Kurssprung im März aktuell wieder leicht zur Schwäche, doch gehen wir davon aus, dass sich auf mittlere Sicht die positiven Effekte der Konjunkturwende durchsetzen werden und weiteres Aufwärtspotenzial für Dividendentitel besteht. Allerdings bedeutet dies nicht, dass Erträge aus Aktienanlagen wieder zweistellig werden. Da in den USA eine Rückkehr zu den hohen Wachstumsraten des New Economy Booms unwahrscheinlich ist und weder im Euro-Raum noch in Japan der Beginn einer solchen Phase auszumachen ist, dürften sich auch die Wertzuwächse an den internationalen Aktienmärkten normalisieren. Insgesamt gehen wir davon aus, dass der europäische Aktienmarkt gemessen am DJ STOXX bis zum Jahresende auf 420 Indexpunkte steigen wird. Dies entspricht einem erwarteten Ertrag von 7 % für das Gesamtjahr 2002.
An den internationalen Anleihemärkten ist es in den Monaten von November 2001 bis März 2002 im Vorgriff auf die Konjunkturerholung bereits zu einem deutlichen Renditerückschlag gekommen. So ist die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe um 1,2 Prozentpunkte und die der Euro-Referenzanleihe um 1 Prozentpunkt gestiegen. Auf dem erreichten Niveau dürfte der Großteil der Belastungen aber bereits in den Kursen enthalten sein. Zwar gehen wir davon aus, dass es im Zuge des weltweiten Konjunkturaufschwungs in den nächsten Wochen und Monaten noch einmal zu leichten Belastungen kommen kann, doch dürfte das etwas geringere US-Wachstum im zweiten Halbjahr zu einer Entspannung an den Bondmärkten führen. Entsprechend dürfte die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe auf Drei-Monatssicht auf 5,3 % steigen, sich bis zum Jahresende aber wieder auf gut 5 % verringern. Über den gesamten Prognosezeitraum bis zum Jahresende 2002 wird der Ertrag einer Anlage am europäischen Rentenmarkt also in etwa dem gegenwärtigen Coupon von gut 5 % entsprechen.
Quelle: Pressemeldung Generali Deutschland Holding AG
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