Beate Uhse Aktie: Infos für Anleger

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Beate Uhse ist als Erotikunternehmen den meisten Menschen ein Begriff. Börsenkundige kennen aber auch die zum Unternehmen gehörige Aktie, die allerdings weitaus weniger erfolgreich ist als die Firma selbst. Was die Beate Uhse Aktie wert ist und wie sich der Börsengang nach dem Vorstandswechsel entwickelt, beleuchten wir hier.

Die Beate Uhse AG als international tätige Gesellschaft

Der Beate Uhse Konzern, der als eines der führenden Unternehmen der Erotikbranche gilt, gehört zur Beate Uhse AG. Das Tätigkeitsfeld erstreckt sich auf den Einzel- und Großhandel sowie auf das Versandgeschäft. Auch im Online-Entertainment war der Konzern zu finden, wobei diese Sparte im Jahr 2016 an die tmc Content Group AG verkauft wurde.

Die Marke selbst gilt als sehr hochwertig und ist vor allem in Deutschland angesehen. Doch auch international ist das Unternehmen tätig und besitzt beispielsweise die Ländermarken Adam & Eve in Frankreich, Pabo in Großbritannien und Holland sowie in einigen weiteren Ländern. Auch Christine le Duc aus Holland gehört zum Konzern Beate Uhse.

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Wie setzt sich die Aktionärsstruktur zusammen?

Die folgenden Beteiligungsverhältnisse liegen unter den Aktionären vor:

  • Rund 47,7 Prozent der befinden sich nicht in fester Hand, sie sind sogenannter Streubesitz und werden als Free Float bezeichnet.
  • 29,6 Prozent werden von der Consipio Holding B. V. gehalten, sie ist der Hauptaktionär.
  • 13,1 Prozent gehören der Venus Hyggelig GmbH, einer Gesellschaft der Sparkasse.
  • 9,09 Prozent werden von der Global Vastgoed B. V. gehalten.
  • Nur 0,36 Prozent hält Beate Uhse als eigene Anteile vor.

Stammdaten zur Beate Uhse Aktie

Die Aktienpapiere des Unternehmens sind als Inhaber Stammaktien zu erhalten und am regulierten Markt gehandelt. Das Grundkapital beträgt 78.074.696 Euro, der Börsengang erfolgte am 27. Mai 1999. Folgende Kürzel sind für Aktionäre und solche, die es werden wollen, interessant:

  • ISIN: DE0007551400
  • WKN: 755140
  • Kürzel der Börse: USE
  • Bloomberg-Kürzel: USE GR
  • Reuters Kürzel: USEG

Gelistet sind die Beate Uhse Aktien im CDAX.

Geschichtliche Entwicklung der Beate Uhse Aktien

Als Beate Uhse an die Börse ging, wurde der Konzern zur Aktiengesellschaft. Die ersten Aktien wurden zu einem Emissionspreise von 7,20 Euro ausgegeben und 64-fach überzeichnet. Am dritten Handelstag erreichte der Wert 28,20 Euro, was den absolut höchsten Kurs darstellte – die Aktien kletterten im Chart nach oben. Diesen Wert konnten die Aktien nie wieder erreichen und die Wertpapiere erlebten fast

Beate Uhse ist als Erotikunternehmen den meisten Menschen ein Begriff. (#01)

Beate Uhse ist als Erotikunternehmen den meisten Menschen ein Begriff. (#01)

ununterbrochen eine Talfahrt und sahen den Chart bald von der anderen Seite.

Im Oktober 2008 wurde der Wert mit 0,58 Euro angegeben, was der bis dahin tiefste Schlusskurs war. Der Wertverlust betrug bis zu diesem Zeitpunkt 92 Prozent, wenn der Schlusswert mit dem Emissionswert von 1999 verglichen wurde. Gegenüber dem höchsten Kurs waren es sogar 97 Prozent, die als Verlust hingenommen werden mussten. Der nächste Tiefstkurs wurde im März 2009 festgestellt, als nur noch 0,42 Euro als Wert angegeben werden konnten. Doch dieser Wert sollte noch übertroffen werden, als im August ein Kurs von 0,27 Euro feststand.

Unter Anlegern stellt sich daher immer wieder die Frage, was die Beate Uhse Aktie wert ist. Die meisten sehen darin weniger den finanziellen Wert als vielmehr den gestalterischen: Die gedruckte Urkunde zeigt zwei fast nackte Frauen und gilt als eine der am besten designten Aktienurkunden auf dem Markt. Leider spielt für Anleger der Designwert kaum eine Rolle – immerhin lässt er sich nicht in einem finanziellen Wert ausdrücken. Wer eine Beate Uhse Aktie kaufen möchte, wird dies eher wegen des Bildes und der Gestaltung tun als wegen ihres Wertes.

Aufwind durch den neuen Vorstand?

Zum 15. April 2017 wechselte der Vorstand bei Beate Uhse: Michael Specht wurde zum neuen Vorsitzenden berufen, wie der Konzern in einer Pressemitteilung kundtat. Vorher war Nathal van Rijn auf dieser Stelle tätig, allerdings besetzte dieser den Posten nur wenige Monate lang. Er verließ den Konzern bereits im Januar 2017. Michael Specht war zuvor bereits für Foot Locker Germany, Starbucks und L’TUR tätig, auch The North Face verhalf er schon zum Erfolg. Damit setzt der Aufsichtsrat auf einen erfahrenen Mann an der Spitze, der das Ruder wieder in Richtung Erfolg herumdrehen soll.

Der Konzern Beate Uhse kämpft immer noch mit Imageproblemen, daran tut auch der gestiegene Bekanntheitsgrad keinen Abbruch. So erklärt sich der „Schleudersitz Vorstandsvorsitzender“. Die Gründerin Beate Rotermund-Uhse eröffnete 1962 den ersten Sexshop in Deutschland und gilt bis heute als Pionierin in dieser Branche. Der Name wurde schon bald zur Marke, doch das schmuddelige Image von Bahnhofskino und Rotlichtviertel konnte der Konzern bis heute nicht abschütteln. Das Geschäft mit Erotikfilmen auf Video und DVD lief gut, wurde aber dank der frei im Internet erhältlichen Filme als nicht mehr lukrativ genug abgestoßen. Ersetzt werden konnte es jedoch nicht und hinterließ demzufolge eine nicht unbeträchtliche Lücke.

Die Umsätze sind konsequent rückläufig und die Verluste wachsen stetig. So konnte für die ersten neun Monate des Jahres 2016 ein Umsatz von 77,8 Millionen Euro verbucht werden. Der Verlust vor Steuer belief sich hier aber auf 4,85 Millionen Euro. Die endgültigen Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr sind noch nicht veröffentlicht worden, was das Unternehmen mit dem Wechsel im Vorstand begründet.
Die wechselnden Vorstände waren bislang nicht in der Lage, das Unternehmen auf einen Wachstumskurs zu bringen, daher wird nun auf Michael Specht gesetzt.

Kenner der Branche gehen davon aus, dass der Weg in Richtung E-Commerce zu spät eingeschlagen wurde und der Internetriese Amazon das einschlägige Sortiment zum größten Teil verkauft. Diesem Händler den Rang abzulaufen, dürfte schwer bis unmöglich sein. Außerdem sind inzwischen viele Neueinsteiger der Branche auf dem Markt und behaupten sich dort erfolgreich. Eis.de oder Amorelie.de sind Beispiele dafür, wobei diese Firmen nicht mit Erotikfilmen in Verbindung gebracht werden und ihnen eher ein gewisses Niveau unterstellt wird.

Specht wird nicht nur den Vorstandsvorsitz übernehmen, sondern auch als CEO (Chief Operating Officer) fungieren. Diesen Posten besetzte bislang Dennis van Allemeersch, dessen Vertrag allerdings im März 2017 auslief und welcher nicht verlängert wurde. Kees Vlasblom bleibt weiterhin für Finanzen und IT zuständig.

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Kredite und Schulden

Die Beate Uhse Aktie ist nun schon längere Zeit nur noch wenige Cent wert. Ob sie sich von diesem Zustand jemals erholt, ist allerdings fraglich. Das Unternehmen ist insgesamt mittlerweile weniger als 17 Millionen wert. Hier stellt sich allerdings ein Problem: In zwei Jahren, also 2019, muss der Konzern eine Anleihe über 30 Millionen Euro zurückzahlen, die dazu noch hoch verzinst ist. Die Zinsen betragen 7,75 Prozent und stellten bereits 2016 ein Problem dar – Beate Uhse hatte Mühe, das Geld aufzubringen. Ein Kredit half aus der Patsche, darüber konnten die Zinsen bezahlt werden. Doch auch dieses Geld dürfte eher früher als später aufgebraucht sein, wenn sich nicht bald etwas tut und die Ertragssituation gebessert wird.

Die Umsätze müssen wachsen, die Verluste minimiert werden. Ist die Kasse leer, müssen die Eigentümer herangezogen werden, allen voran die Sparkassen Schleswig-Holsteins über die Beteiligung über die Venus Hyggelig GmbH und Gerard Cok, ein Unternehmer aus den Niederlanden. Sie werden darüber entscheiden müssen, ob der Konzern in Richtung Insolvenz gehen muss oder ob ihm nicht doch noch eine weitere Chance gewährt wird. Bis dahin muss Michael Specht versuchen, das Ruder herumzureißen und die Aktienkurse wieder nach oben zu bringen bzw. eine neue Ausrichtung für den Konzern zu finden, damit dieser sein Schmuddelimage abstreifen kann.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: 360b-#01: andersphoto

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About Author

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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