Zinsswap: Finanzinstrument für Kreditnehmer

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In der Theorie ist ein Zinsswap dazu gedacht, Kreditnehmer vor einer kostspieligen Zinserhöhung zu bewahren. Auf den ersten Blick klingt das für Verbraucher sehr gut. Wer aber genau hinschaut, der wird schnell sehen, dass der Zinsswap ein enormes Risikopotenzial birgt. Warum er sich dennoch lohnen kann? Im Folgenden alle Details in der Übersicht.

Zinsswap: Das Wichtigste in Kürze

  • Der Zinsswap ist auch als Interest Rate Zwap bekannt und ein gängiges Finanzinstrument. Es handelt sich um ein Tauschgeschäft: Mit dem Ziel der Minimierung des Zinsrisikos werden Zinszahlungen gegeneinander getauscht.
  • Es ist üblich, dass festgeschriebene Zinssätze gegen variable Zinsen getauscht werden. Dieser Swap ist auch als Plain Vanilla Swap bekannt. Um die Transaktion so einfach wie möglich zu halten, kommt es lediglich zum Tausch von Zinsdifferenzen zum Stichtag – auch als Netting bekannt.
  • Die beiden Parteien werden in Payer und Receiver Swap unterschieden. Der Payer Swap wird durch die Partei mit dem fixen Zinssatz durchgeführt. Der Receiver Swap entsprechend durch die Partei mit dem variablen Zinssatz.

Video: Basiswissen Derivate – Swaps

Wie funktioniert ein Zinsswap im Detail?

Was irgendwie ganz logisch klingt, ist es gleichzeitig auch nicht. Wer muss zahlen? Wann wird gezahlt? Und wie wird das Zinsrisiko minimiert? Das folgende Beispiel zeigt auf, wie ein Zinszwap abgewickelt wird. Die involvierten Parteien sind mit A und B benannt.

Partei A hat einen Kredit über eine Million aufgenommen. Dieser Kredit ist auf eine Laufzeit von zehn Jahren zu einem Zinssatz von 3 % festgeschrieben. Partei A stellt also den fixen Zinssatz.

Partei B hat ebenfalls einen Kredit in der Höhe von einer Million Euro und über eine Laufzeit von zehn Jahren aufgenommen. Allerdings ist der Kreditvertrag auf einen variablen Zinssatz ausgelegt.

Exkurs: Variabler Zinssatz

Der variable Zinssatz wird in regelmäßigen Abständen an den aktuellen Marktzins angepasst. Hinzu kommt ein minimaler Preisaufschlag. Für die Laufzeit sind außerdem Werte für den Maximalzinssatz und den Minimalzinssatz festgelegt, die unabhängig vom aktuellem Marktzins gültig sind. Diese Art der Verzinsung ist vor allem in Zeiten von hohen Zinsen sinnvoll, da ein zukünftiger Zinsabfall zu erwarten ist.

Nun kann es sein, dass Partei B nach den aktuellen Berechnungen einen Zinssatz von ebenfalls 3 % zahlt. Zeitgleich geht Partei B aber davon aus, das der Marktzins in Zukunft ansteigen wird. Gegen dieses Zinsrisiko möchte sich Partei B gern absichern. Partei A zahlt also aktuell weiterhin 3 % – im Gegensatz zu Partei B geht A aber davon aus, dass der Zinssatz in naher Zukunft weiter abfallen wird. Durch den festen Zinssatz wäre er nicht in der Lage, die finanziellen Vorteile eines Zinsabfalls auszukosten.
Hinweis

Der Zinsswap kann immer nur eine der beiden Parteien begünstigen! Um einen Tausch umsetzen zu können, müssen also die beteiligten Partner je von einer entgegengesetzten Zinsentwicklung überzeugt sein.

Tauschen A und B nun ihre Zinskonditionen über einen bestimmten Zeitraum aus, können zwei Szenarien eintreten:

  • Der Zinssatz steigt auf 4 % – A trägt die Extrakosten von 1 %, B behält die 3% bei und vermeidet die Zinssteigerung.
  • Der Zinssatz fällt auf 2,5 % – A zahlt 0,5 % weniger als zuvor, B verschenkt die Möglichkeit der Einsparung.

Video: Was ist ein SWAP?

Für wen ist ein Zinsswap sinnvoll?

Generell ist ein Zinsswap ein beliebtes Finanzwerkzeug für Kredite mit hohem Volumen. Daher werden die Zinsswaps häufiger von Unternehmen als von Privatleuten verwendet. Beträgt der Kreditbetrag mehrere Millionen Euro, trägt selbst eine minimale Zinsschwankung ein enormes Kapital mit sich.

Banken bieten die Option des Zinsswap aber auch für geringere Kreditsummen an. Für Kunden klingt die Möglichkeit der Risikominimierung erst mal sehr gut. Vor allem die scheinbar hohe Planbarkeit kann überzeugen. Banken vereinbaren einen Zinsswap häufig mit Laufzeiten von zwei bis drei Jahren.

Welches Risiko trägt der Zinsswap?

Der klassische Plain Vanilla Swap trägt klar das Risiko, dass man auf der falschen Seite der Zinsvorhersage steht. Denn ein tatsächlicher Gewinn ist nur dann möglich, wenn sich der Zinssatz in der Tat in die Richtung bewegt, die man vorhergesagt hat.

Eine weitere Option, einen Zinsswap umzusetzen, ist der sogenannte Zins-Währungs-Swap. Das Grundprinzip bleibt gleich, allerdings werden hier Kreditprodukte unterschiedlicher Währungen gegeneinander getauscht. Diese Variante wird von Banken gerne angeboten, ist eine langfristig ausgelegte Kreditvergabe innerhalb einer bestimmten Währung nicht möglich.

Achtung

Das Risiko bei Zins-Währungs-Swaps ist enorm hoch. Hohe Währungsschwankungen können von nennenswerten Verlusten bis hin zum Totalausfall alles nach sich ziehen. Nicht selten wird die stabile Währung gegen stark fluktuierende Währungen aus Schwellenländern getauscht, wie zum Beispiel dem südafrikanischen Rand. In der Vergangenheit haben solche Geschäftsmodelle oft einen Gerichtsprozess nach sich gezogen. Immer häufiger fallen die Urteile zugunsten der Kläger aus.

Banken können hier ordentlich Gewinne einfahren. Hat sich die Partei, die auf den variablen Zinssatz setzt, getäuscht, und das Zinsniveau steigt an, erhält das Finanzinstitut die daraus resultierenden Zinseinnahmen. (#01)

Banken können hier ordentlich Gewinne einfahren. Hat sich die Partei, die auf den variablen Zinssatz setzt, getäuscht, und das Zinsniveau steigt an, erhält das Finanzinstitut die daraus resultierenden Zinseinnahmen. (#01)

Warum bieten Banken die Zinsswaps weiterhin an?

Banken können hier ordentlich Gewinne einfahren. Hat sich die Partei, die auf den variablen Zinssatz setzt, getäuscht, und das Zinsniveau steigt an, erhält das Finanzinstitut die daraus resultierenden Zinseinnahmen. Das Grundkonzept ist dabei so profitabel, dass Banken für Privatkunden und Unternehmen eine Reihe von Swap-Optionen entwickelt haben. Einige diese Swaps sind enorm komplex und für einen Laien nur schwer zu durchschauen.

In diesem Zusammenhang wurde zum Beispiel der sogenannte Spread Ladder Swap entwickelt. Die involvierten Parteien gehen eine Vereinbarung ein, die im bildlichen Sinne einer gespreizten Leiter gleicht – denn das Geschäft basiert auf der Entwicklung von zwei Referenzzinssätzen. Entwickeln sich diese Zinssätze in entgegengesetzte Richtungen, bricht das Kapital zusammen. Eine zusammenführende Entwicklung stabilisiert das Kapital.

Hier müssen Verbraucher und Unternehmen jedoch ein großes Risiko eingehen. Häufig werden als Referenzzinssätze die von kurzfristig bis langfristig angelegten Staatsanleihen verwendet. Dabei ist es zumeist so, dass das Zinsniveau einer langfristigen Anleihenverzinsung klar über dem der kurzfristigen Anleihenverzinsung liegt. Der Grund liegt darin, dass eine längere Bindung an die Anleihen ein höheres Verlustrisiko bedeutet. Es ist also kaum zu erwarten, dass die zwei Referenzzinssätze sich einander annähern werden – ein Wissen, dass nur wenige haben. Entsprechend oft kam es für Verbraucher und Unternehmen zu bösen Überraschungen im Rahmen der Spread Ladder Swaps.

Auch die Deutsche Bank kam unter Beschuss

Dass diese Geschäftspraktiken Banken in eine ungünstige Situation bringen können, ist am Beispiel der Deutschen Bank zu sehen. Die musste sich für einen solchen Vorfall vor dem Bundesgerichtshof verantworten. Die Gegenpartei war das Hygienetechnik-Unternehmen Ille aus Hessen.

Die Bank und das Unternehmen hatten sich auf den Abschluss eines Spread-Ladder-Swaps geeinigt und einen Nominalwert für die Referenzzinsen festgelegt. Nach einer ungünstigen Werteentwicklung fuhr das Unternehmen hohe Verluste ein. Der Bundesgerichtshof entschied zugunsten des Klägers. Neben einer nennenswerten Schadensersatzsumme hat dieser Vorfall der Deutschen Bank vor allem einen Imageschaden eingebracht, der weltweit Wellen geschlagen hat. Dies zeigt deutlich auf, dass das Geschäft mit den Zinsswaps eine heikle Angelegenheit ist.

Um einen Zinsswap als sinnvolle Kapitalabsicherung zu nutzen, muss die Kreditsumme ausreichend hoch sein. Im kleinen Rahmen sind die möglichen Zinsveränderungen selten hoch genug, um einen nennenswerten Unterschied zu machen. (#02)

Um einen Zinsswap als sinnvolle Kapitalabsicherung zu nutzen, muss die Kreditsumme ausreichend hoch sein. Im kleinen Rahmen sind die möglichen Zinsveränderungen selten hoch genug, um einen nennenswerten Unterschied zu machen. (#02)

Wer sollte über einen Zinsswap nachdenken?

Um einen Zinsswap als sinnvolle Kapitalabsicherung zu nutzen, muss die Kreditsumme ausreichend hoch sein. Im kleinen Rahmen sind die möglichen Zinsveränderungen selten hoch genug, um einen nennenswerten Unterschied zu machen. Da der Zinsswap zumeist lediglich über einen Zeitraum von maximal drei Jahren ausgelegt ist, muss der Blick auf die unmittelbare Zinsentwicklung gelegt werden.

Aktuell ist der europäische Leitzins auf einem Rekordtief. Entsprechend niedrig sind die allgemeinen Marktzinsen für die Kreditvergabe im privaten und institutionellen Rahmen. Wer also in greifbarer Zukunft mit einem weiteren Zinsabfall rechnet, der wird ohne Frage enttäuscht. Dies bedeutet: Ein Zisswap ist zu Zeiten von Zinsextremen kaum möglich – denn es wird sich niemand finden, der bereit ist, auf ein verlierendes Pferd zu setzen.

Ist das Zinsniveau jedoch ausgeglichen, kann sich das Spiel durchaus lohnen. Verbraucher sollten unbedingt mit einem Finanzexperten arbeiten, um die möglichen Optionen genau zu erwägen.

Video: Swap ETF einfach erklärt! Risiko, Vor- & Nachteile + Vergleich zu Physischen ETFs

Auch Swap-Hypotheken sind möglich

Ein klassischerer Bereich für den Zinsswap sind Hypotheken. Dabei wird der Zinsswap nur auf einen Teil der Gesamthypothek abgeschlossen, um die Gesamtkosten zu senken. Hier haben die sogenannten Swap-Hypotheken Vorteile und Nachteile zu bieten.

Vorteile einer Swap-Hypothek:

  • Mögliche Zinsersparnis im Vergleich zu einer Festhypothek
  • Hohe Flexibilität für den Bereich der Umschuldung. Vorfälligkeitsprämien werden in der Regel bei frühzeitiger Ablöse nur für den Teil der Hypothek fällig, der ohne Zinsswap genutzt wird.
  • Im Rahmen einer Hypothek ist es möglich, einen Zinsswap über die gesamte Laufzeit abzuschließen.

Nachteile einer Swap-Hypothek:

  • Die hohe Komplexität dieses Finanzinstrumentes ist für Laien oft nur schwer verständlich. Dies kann die Planung der Hypothek merklich erschweren. Außerdem lässt dies viel Raum für Fehlentscheidungen.
  • In der Regel wird mit einem Mindestvolumen gearbeitet, das oft bei mehr als 1,5 Millionen Euro liegt.
  • Auch hier ist das Ausfallrisiko groß. Bei einer unerwarteten Zinsentwicklung verursacht die Swap-Hypothek zusätzliche Kosten, die im Ernstfall die gesamte Finanzierung in Gefahr bringen.

Fazit: Zinsswap

Der Zins-Swap ist ein Finanzinstrument, das man vor allem den Profis überlassen sollte. Obwohl es hier ein enormes Gewinnpotenzial gibt, trägt ein Zins-Swap gleichzeitig ein großes Risiko. Da sich die meisten Banken darauf konzentrieren, einen Zinsswap nur für Finanzgeschäfte mit sehr hohen Volumen anzubieten, ist es für Privatpersonen generell nicht immer möglich, diesen zu nutzen. Wichtig ist, dass man sich beim Abschluss eines Zinsswap Kredites darüber im Klaren ist, wie hoch das individuelle Risiko ist.


Bildnachweis:&copy,Shutterstock-Titelbild: fizkes  -#01: Creativa Images _-#02: Elnur

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About Author

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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