Im Jahr 2025 sichert Gas als zweitwichtigster Energieträger in Deutschland gemeinsam mit Solar- und Windenergie eine zuverlässige Strom- und Wärmeversorgung und unterstützt die Dekarbonisierung. Auf der E-world in Essen hob Dr. Timm Kehler von Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft die Fähigkeit gasförmiger Energieträger hervor, Lastschwankungen auszugleichen, Netzstabilität zu garantieren und gleichzeitig den CO2-Fußabdruck zu minimieren. Wachsendes Interesse aus Industrie, Gewerbe und kommunalen Versorgern unterstreicht die steigende Bedeutung des Energieträgers. Langfristig sichtbar.
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Gewerbe, Wärme und Strom nutzen 2025 deutlich mehr Gasverbrauch
Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Anteil gasförmiger Energieträger am Primärenergieverbrauch Deutschlands 2025 von 25,9 auf 26,9 Prozent, entsprechend einem Gesamtverbrauch von 835 TWh, rund drei Prozent mehr. Die Industrie führte mit 305 TWh erneut die Statistik an, doch beachtliche Zuwächse äußerten sich auch im gewerblichen Bereich, bei Wärmeversorgern und in der Kraftwerksproduktion. Auf der E-world in Essen hob Dr. Timm Kehler die systemische Bedeutung von Gas und Wasserstoff hervor.
Gaskraftwerke emittieren 392 g CO2 pro kWh deutlich weniger
Die deutsche Stromproduktion erreichte 2025 rund 509 TWh, davon stammten 56 Prozent aus erneuerbaren Energieträgern. In Zeiten niedriger Wind- und Solarerträge übernahmen Gaskraftwerke bis zu 72 Prozent der gesicherten Kapazität, um die Netzstabilität zu gewährleisten. Mit durchschnittlich 392 g CO2 pro Kilowattstunde emittieren sie wesentlich weniger als Kohlekraftwerke. Ein leistungsfähiger Kapazitätsmechanismus sichert langfristig die ökonomisch wirtschaftliche Rentabilität neuer, flexibler, strukturell effizienter und wasserstoffadaptierter Gaskraftwerke und fördert deren kontinuierliche technologische Weiterentwicklung.
Kehler fordert neue Füllstandsvorgaben für langfristige Versorgungssicherheit und Kostensenkung
Am Saisonende zeigten die deutschen Gasspeicher einen Füllstand von nur 27,9 Prozent, knapp unter der gesetzlich verordneten Marke von 30 Prozent zum Termin 1. Februar. Das vorhandene Arbeitsgasvolumen von circa 256 Terawattstunden bleibt entscheidend für die Aufrechterhaltung von Netzstabilität und Versorgungssicherheit. Gleichzeitig wirken höhere LNG-Einfuhrmengen preisdämpfend und reduzieren den typischen Winter-Sommer-Spread. Dr. Kehler plädiert deshalb für eine Überarbeitung der Speicherfüllstandsvorgaben, um Risiken verlässlich zu minimieren und Kosten effizient zu optimieren.
Wärmepumpen erreichen aktuell nur 4,3 Prozent Marktanteil trotz Förderung
In deutschen Bestandsgebäuden liegt der Erdgasanteil bei 56,2 Prozent der Heizenergie, während Fernwärmesysteme zu nahezu 50 Prozent mit Gas versorgt werden. Seit 2000 schrumpfte der Heizölanteil von 23,3 auf 17,3 Prozent, während der Anteil der Wärmepumpen bei lediglich 4,3 Prozent stagniert. Die Verkaufszahlen für neue Heizgeräte sanken 2025 um zwölf Prozent auf 627 000 Stück. Dr. Kehler warnt vor stockenden Modernisierungsprozessen und plädiert für ein hybrides, CO2-fokussiertes Gebäudegesetz. Dieses soll Anreize erhöhen und Klimaziele unterstützen.
Markt fordert dringend verlässliche regulatorische Rahmenbedingungen und wettbewerbsfähige Anreize
Im Jahr 2024 wurden Elektrolyseanlagen mit einer Gesamtleistung von über elf Gigawatt für den Zeitraum bis 2030 angekündigt, doch aktuell sind lediglich etwa 7,2 Gigawatt verbindlich geplant. Derweil sind 525 Kilometer Wasserstoffleitungen in Betrieb, größtenteils durch Adaptierung vorhandener Gasnetze, und der Grundstein für ein zentrales Transportnetz gelegt. Der Markt verlangt nun nach stabilen rechtlichen Rahmenbedingungen, verlässlichen Förderinstrumenten und wettbewerbsfähigen Marktsignalen, um Investitionen zu beschleunigen. Dabei sind Flexibilität und Klimaschutz zentral.
Herkunftsnachweise und Massenbilanz bremsen Biomethaninvestitionen laut Kehler dringend jetzt
Insgesamt flossen 2025 rund 11,5 Terawattstunden Biomethan in das deutsche Gasnetz ein, um hauptsächlich Wärme zu erzeugen. Gleichzeitig gewinnt der Energieträger in der Industrie, der Stromproduktion und im Verkehrssektor an Bedeutung. Mit etwa 260 Aufbereitungsanlagen existiert eine solide Infrastruktur, die jedoch das vorhandene Potenzial bei Weitem nicht ausschöpft. Rechtsunsicherheiten beim Netzzugang, bei Massenbilanzen und Herkunftsnachweisen verhindern höhere Investitionen. Kehler fordert deshalb klare, technologieoffene Rahmenbedingungen und attraktive Förderinstrumente.
Die Nutzung von Erdgas, Wasserstoff und Biomethan schafft Versorgungssicherheit dank ausgereifter Speicher- und Transportinfrastruktur. Flexible Gaskraftwerke reagieren schnell auf schwankende Erzeugung aus Wind und Sonne und stabilisieren somit das Stromnetz. Im Wärmemarkt ermöglicht Erdgas praxisnahe Emissionsreduktionen. Um diese Vorteile auszuschöpfen, sind verlässliche Kapazitätsmechanismen, aktualisierte Füllstandsvorgaben für Gasspeicher und ein technologieoffenes Gebäude- und Wasserstoffregelwerk unerlässlich. Nur so lässt sich die Klimaneutralität in allen Sektoren erreichen und stärken Klimaschutz in allen Bereichen.

