Mit Aktien fürs Alter vorsorgen

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Nach langer Vorüberlegung sind die Würfel gefallen: Ein wesentlicher Teil der privaten Altersvorsorge soll auf Aktien fußen. Private Rentenversicherungen oder Kapitallebensversicherungen bringen zu wenig Rendite. Die inzwischen dauerhaft niedrigen Zinsen sind eine Bremse für alle klassischen Anlagealternativen.

Es gibt nur zwei echte Ausnahmen: Immobilien und Aktien. Während sich nicht alle an Immobilien trauen, bieten Aktien für jeden Geschmack passende Anlageformen. Wer Aktien kaufen möchte, findet bei vielen Banken wie Consors und Comdirect sowie Online- und Discount-Brokern wie flatex attraktive Angebote.

Darum Aktien als Altersvorsorge

Das Ziel bei der Altersvorsorge ist ein Wertzuwachs der Anlage. Nur dann lohnt sich eine Investition. Der Zinseszinseffekt mehrt das Vermögen und trägt somit zu einer Basis bei, von der dann eine regelmäßige Auszahlung als Zusatzrente möglich ist. Alternativ lassen sich Einmalsummen erwirtschaften, die beim Renteneintritt oder zu einem bestimmten Termin fällig werden. Das Problem ist jedoch: Die Zinsen der letzten Jahre sind nicht geeignet, daraus Kapital schlagen zu können. Daher rücken speziell Aktien als Alternative zu klassischen Vorsorgeoptionen in den Fokus.

Aktien haben einen Vorteil: Zum einen erwirtschaften die meisten Papiere langfristig Dividenden. Zum anderen steigen die Kurse der meisten Indizes wie zum Beispiel der vom DAX im langfristigen Mittel deutlich an.

Der Wertzuwachs basiert letztlich auf den Kursverläufen der wichtigsten Aktien. Das bedeutet: In der Breite steigen auch die Aktienwerte über ein Jahrzehnt oder länger deutlich an. Diese erheblichen Kursgewinne machen Wertpapiere zu einer attraktiven Anlageform. Das gilt auch für die Altersvorsorge. Daher gehören Wertpapiere wie Aktien und Fonds bzw. ETFs zumindest als – mehr oder weniger große – Beimischung zur Vorsorge dazu.

Der Aktienhandel birgt Risiken. Je kurzfristiger die eigene Anlagestrategie ist, desto riskanter ist es, auf steigende Aktienkurse zu setzen. (Foto: Shutterstock- Minerva Studio )

Der Aktienhandel birgt Risiken. Je kurzfristiger die eigene Anlagestrategie ist, desto riskanter ist es, auf steigende Aktienkurse zu setzen. (Foto: Shutterstock- Minerva Studio )

Was ist mit dem Risiko?

Der Aktienhandel birgt Risiken. Je kurzfristiger die eigene Anlagestrategie ist, desto riskanter ist es, auf steigende Aktienkurse zu setzen. Der potenzielle Wertverlust bei sinkenden Kursen ist für die Altersvorsorge eine Gefahr. Dieses Risiko lässt sich jedoch deutlich minimieren. Der wichtigste Punkt dabei ist die persönliche Lebenssituation und damit verbunden die persönliche Anlagestrategie.

Welche Anlagestrategie ist sinnvoll?

Die optimale Vorsorge hängt von vielen individuellen Details ab. Es gibt aber einige Erfahrungswerte, nach denen sich Anleger richten können.

Das Alter der Anleger

Je jünger die Anleger sind, desto riskanter dürfen Investments sein. Je näher jedoch das Rentenalter rückt, desto defensiver sollten Aktienkäufe sein. Durch die Restzeit bis zum Renteneintritt bestimmt sich das Risiko. Wer das Geld in wenigen Jahren benötigt, sollte auf konservative Anlagen setzten. Wer Zeit hat, Fehlinvestitionen auszugleichen, kann riskantere Titel kaufen.

Langfristige Anlagen ins Auge fassen

Grundsätzlich eignen sich zur Altersvorsorge besonders Wertpapiere, die erst im Alter verkauft werden sollen. Idealerweise bleiben diese im Depot und werden nicht vorzeitig verkauft. So entsteht zumindest in der Theorie der größte Wertzuwachs. Das bedeutet eine besondere Herangehensweise. Es eignen sich Klassikerwerte wie die Aktien aus dem DAX oder Dow Jones. Besonders gilt das für Unternehmen, die lange am Markt sind und auch schon Krisen überstanden haben, aber zugleich zukunftsweisend aufgestellt sind.

Neue Start-ups oder typische Hype-Branchen eigenen sich dagegen nur bedingt zur Vorsorge. Die Prognosen sind für solche Papiere schwierig. Es wäre ein Zocken, was nicht Ziel der Anlage ist. Darüber hinaus gilt: Ruhe bewahren. Auch in Krisenzeiten muss niemand sein Portfolio veräußern. Erfahrungen zeigen, dass es sich häufig lohnt, bei einem Crash nicht in blinden Aktionismus zu verfallen, sondern die Krise auszusitzen. Danach geht es mit den Kursen in der Regel wieder nach oben.

Je jünger die Anleger sind, desto eher lohnen sich Sparpläne. ( Foto: Shutterstock-Kinga)

Je jünger die Anleger sind, desto eher lohnen sich Sparpläne. ( Foto: Shutterstock-Kinga)

Sparpläne nutzen

Je jünger die Anleger sind, desto eher lohnen sich Sparpläne. Dabei zahlen die Aktionäre regelmäßig einen festen Betrag ein, der für den Kauf eines bestimmten Wertpapiers genutzt wird. Durch die feste Summe bedeuten Käufe bei niedrigen Kursen viele Anteile, bei hohen Kursen wenige Anteile. Das federt das Risiko auch im weiteren Kursverlauf ab und steigert die Chancen bei dauerhaft steigenden Kursen. Sparpläne bieten Online-Broker und Banken zum Teil für sehr geringe Gebühren oder kostenfrei an.

Tipp: Auch kleine monatlich eingezahlte Beträge von zum Beispiel 50 oder 100 Euro lohnen sich. Schon nach einem Jahr wächst eine ordentliche Summe heran, nach zehn Jahren eine beachtliche. Kommen noch die erhofften Kursgewinne hinzu, wird aus den kleinen Summen bis zum Alter ein Vermögen.

Diversifizieren!

Ein wesentlicher Aspekt der persönlichen Strategie sollte die Risikostreuung sein. Es klingt vielleicht verlockend, mit dem gesamten vorhandenen Geld nur ein attraktives Wertpapier zu kaufen. Bleibt die Aktie jedoch hinter den Erwartungen zurück oder sinkt der Kurs, wäre das eine Katastrophe für die Altersvorsorge. Daher gilt: Diversifizieren und das Risiko streuen. Je breiter die Basis für die spätere Zusatzrente im Alter ist, desto besser ist es. So lassen sich einzelne Verluste besser auffangen.

Fonds und ETFs

Im Zuge der Diversifizierung, aber auch bei der Wahl der Sparpläne sind Aktienfonds und ETFs eine interessante Option. Diese beinhalten bereits einen unterlegten Aktienkorb und gleichen Risiken der Einzelpapiere aus. Fonds haben den Nachteil, dass die Aktionäre ihr Stimmrecht an die Fondsgesellschaft übertragen. Aber durch die Aktienmischung kann ein Fonds eine attraktive Option sein.

Das gilt umso mehr für ETFs, da hier die Verwaltungsgebühren extrem niedrig sind. Das bedeutet geringere Abschläge und damit einen Vorteil beim Wertzuwachs. Besonders für junge Anleger heißt es: Monatliche Sparpläne mit ETFs auf Indizes wie zum Beispiel DAX oder S&P500 können eine sehr sinnvolle Wahl sein.

Sollten sich schnell erste Erfolge einstellen, wünschen einige Anleger möglicherweise, mehr Risiko zu gehen. Doch das kann fatal sein. ( Foto: Shutterstock-Koldunova Anna )

Sollten sich schnell erste Erfolge einstellen, wünschen einige Anleger möglicherweise, mehr Risiko zu gehen. Doch das kann fatal sein. ( Foto: Shutterstock-Koldunova Anna )

Niemals Geld leihen!

Sollten sich schnell erste Erfolge einstellen, wünschen einige Anleger möglicherweise, mehr Risiko zu gehen. Doch das kann fatal sein. Kleine regelmäßige Beiträge oder größere Einmalzahlungen für Wertpapiere mit günstigen Kursen sind der Schlüssel. Doch niemals sollten Anleger Geld nutzen, was sie nicht übrig haben, oder gar einen Kredit aufnehmen. Speziell für den Aktienhandel als Altersvorsorge kann das ein erhebliches Verlust- und Verschuldungsrisiko darstellen.

Flexibel für später anlegen

Trotz unbegründeter Skepsis bei vielen Deutschen: Die Altersvorsorge mit Aktien, Fonds, ETFs und anderen Papieren ist sinnvoll. Und sie hat noch einen weiteren Vorteil. Anleger bleiben flexibel. Es ist zwar nicht sinnvoll, die Werte im Depot vorzeitig zu veräußern. Denn dann fehlt das Vermögen bei der Absicherung fürs Alter. Aber wenn es eine finanzielle Notlage gibt, kommen Anleger an ihr Geld, indem sie Teile der Papiere verkaufen.

Das bedeutet eine Flexibilität, die viele andere Altersvorsorgekonzepte wie Lebens- oder private Rentenversicherungen nicht bieten. Dieser Punkt unterstreicht noch einmal die Vorteile der Aktien: Anleger erzielen statistisch gesehen langfristig einen erheblichen Wertzuwachs, profitieren in vielen Fällen von Dividenden und können bei Bedarf finanzielle Engpässe durch Zugriff auf das Depot überbrücken – zinsunabhängig!

Über den Autor

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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